St. Bonifatius hat eine außergewöhnliche Orgel - Bonifatius Erkner

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St. Bonifatius hat eine außergewöhnliche Orgel

Unsere Gemeinde > Pfarrkirche in Erkner


von Markus Kauffmann




"Königin der Instrumente" – so wird die Orgel genannt. Unsere Pfarrkirche beherbergt eine außergewöhnliche Orgel, deren Geschichte und Bauweise nicht alltäglich ist.

Sehr bescheiden begann man im Jahre 1949 mit einer Kleinorgel, die von der weltweit bekannten Orgelbaufirma Wilhelm Sauer aus Frankfurt an der Oder hergestellt wurde. (Von der gleichen, 170 Jahre alten Traditionsfirma stammt beispielsweise auch die Orgel in der "Luther–Kirche" in Wittenberg.)

Das Instrument war von vornherein für einen weiteren Ausbau eingerichtet, der erfolgen sollte, wenn es dafür einst genügend Geld in der Gemeindekasse geben würde.

Die erste Stufe umfasste deshalb zunächst nur sieben Register, davon fünf im Manual und zwei im Pedal.



Abbildung: Jan van Eyck,
Musizierende Engel,
Genter Altar, vor 1426

Mit "Register" bezeichnet man eine Reihe von Orgelpfeifen, die vom tiefsten bis zum höchsten Ton dieselbe Klangfarbe, den gleichen Toncharakter hat. Heißt zum Beispiel ein Register "Viola", dann haben seine Pfeifen einen streichenden Klang, einer Geige nicht ganz unähnlich. In manchen Orgeln findet man auch Register mit der Bezeichnung "Blockflöte", "Posaune" oder "Waldhorn". Als "Manual" bezeichnet man die Tastatur, auf der ein Organist mit den Händen spielt wie auf einem Klavier, als "Pedal" die großen Holztasten, die zusätzlich mit den Füßen betätigt werden und meistens die tiefen Töne auslösen.
Die Kleinorgel von 1949 hatte nur ein Manual (eine Fingertastatur) mit fünf verschiedenen Klangfarben und ein Pedal mit zwei Registern. Das reichte gerade aus, um den Volksgesang beim Gottesdienst zu begleiten. (Zum Vergleich: Eine durchschnittlich große Orgel hat drei Manuale, also drei Tastenbretter übereinander, die der Organist abwechselnd bespielen kann – und rund dreißig verschiedene Register. Die größte Orgel der Welt hat sechs Manuale und 374 Register.)


Seltene Technik – die "pneumatische Kegellade"

Dennoch hatte diese kleine Orgel ihre Besonderheit, nämlich ihre Bauweise, also die unsichtbare, im Orgelinneren verborgene Technik. Schon damals, vor fast sechzig Jahren wurde die hier verwandte Technik nämlich kaum noch gebaut:
Dabei wird die Verbindung zwischen den Tasten des "Spieltisches" die Regiezentrale des Organisten) und den Pfeifen hoch in der Orgel mit kleinen Röhrchen hergestellt, durch die Druckluft gepresst (deshalb: "pneumatisch"). Am Anfang dieser Röhrchen steht die Taste, die vom Musiker heruntergedrückt wird wie eine Klaviertaste. Damit öffnet er ein Ventil, das diese Druckluft (sie kommt vom Blasebalg) ins Röhrchen lässt. Am anderen Ende wird ein kegelförmiges Ventil (deshalb "Kegellade") aufgestoßen, das wiederum eine andere Druckluft für die Pfeife freigibt: Der Pfeifenton kann erklingen!
Das – wie gesagt – war schon zur Zeit ihrer Errichtung eine seltene Bauweise. (Meistens wird der Kontakt zwischen Taste und Pfeife auf mechanischem Weg hergestellt, also durch schmale Holzleisten, Hebeln und Scharniere. Um dem Organisten das Spiel zu erleichtern, entwickelte man im 19. Jahrhundert die "Pneumatik".)


Der Schritt nach vorn – dank der Lindenoper

Eine weitere Besonderheit ereignete sich Mitte der Neunziger–Jahre, nach der Wende. Unsere Gemeinde, allen voran der Orgelverein, fühlte sich nun gerüstet, die lange geplante zweite Ausbaustufe in Angriff zu nehmen. Zwar hätte dies die finanziellen Grenzen gesprengt, doch kam der Zufall zu Hilfe.

Die Firma Sauer hatte in den Jahren 1955/56 für die Staatsoper Unter den Linden in Berlin eine technisch ähnliche, aber viel größere Konzertorgel gebaut, die nun einem moderneren Instrument weichen sollte. Doch anstatt die Abrissteile als "Sekundärrohstoff" endgültig zu entsorgen, kam man auf die Idee, brauchbares Material, insbesondere die teuren Metallpfeifen, einfach in unserer Orgel wiederzuverwenden. Mit den Umbauarbeiten wurde die ebenfalls berühmte Orgelbaufirma Schuke aus Potsdam betraut.

Am Sonnabend, dem 15. März 1997, war es dann soweit: Pfarrer Gerhard Engelmann weihte gemeinsam mit Prälat Bernhard Bachovsky aus Klosterneuburg bei Wien die erweiterte "Dienerin Gottes" ein; gespielt wurde sie von Frau Dr. Johanna Schell, der Kirchenmusikexpertin der Diözese. Die "Märkische Oderzeitung" titelte damals: "Eine richtige Orgel ersetzt die alte Quetschkommode".

Die Kosten für den Orgelausbau betrugen 116.255,59 DM (59.440,54 EUR). So viel Geld war natürlich   nicht zur Verfügung. Deshalb wurde zwischen dem Kirchenvorstand und dem Orgel- und Chormusikförderverein "St. Bonifatius" Erkner e.V. ein Darlehensvertrag geschlossen. Das heißt, der Verein borgte sich das  fehlende Geld von der Kirchengemeinde. Durch Vereinsbeiträge, Spenden und verschiedene Aktionen und Sammlungen konnte  2006 die letzte Rate überwiesen und die Orgel damit komplett bezahlt werden.

Diese Erweiterung unserer Orgel ermöglichte einen Quantitäts– und ein Qualitätssprung nach vorn. Sie  verfügt heute über zwei spielbare Manuale (statt bisher nur einem), ein Pedal, 24 Register (bisher 7) und 2000 Pfeifen (bisher 564). Welche Klangfülle und –schönheit sie seither entfalten kann, zeigen die gelegentlichen Kirchenkonzerte mit Professor Ulrich Eckhardt und seinen Gästen.

Seither erklingt sie zur höheren Ehre Gottes – "ad majorem Dei gloriam".

Disposition der neuen Orgel in der Pfarrkirche St. Bonifatius in Erkner
I. ManualII. ManualPedal
Quintadena 16'
Großgedackt 8'
Subbaß 16'
Prinzipal 8'
Quintatön 8'
Oktavbaß 8'
Rohrflöte 8'
Salicional 8'
Bassflöte 8'
Oktave 4'
Prästant 4'
Choralbaß 4'
Spitzflöte 4'
Blockflöte 4'

Schwiegel 2'
Waldflöte 2'

Quinte 2 2/3'
Nasat 2 2/3'

Mixtur 4fach
Terz 1 3/5'


Scharff 4fach




Trompete 8'
Krummhorn 8'
Posaune 16'
 
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